Visualisierung der Skulpturen am Wegesrand

Gemeinsinn

Skulpturenpfad

Sina Heffner beim kunstvollen Schnitzen von Federn mit der Motorsäge
Einblicke in den Herstellungsprozess
Modellansicht der Skulpturen im Verlauf des Weges
Visualisierung der Skulpturen im Verlauf des Weges

Oberbergrat Wilhelm August Julius Albert (1787–1846) war ein wegweisender Bergingenieur, der maßgeblich zur technischen Modernisierung des Oberharzer Bergbaus beitrug. Nach einem Jurastudium in Göttingen begann er 1806 seine Laufbahn bei den Berg- und Forstämtern in Clausthal und Zellerfeld. 1825 wurde er zum Oberbergrat ernannt und prägte eine Ära bedeutender technischer Innovationen. Besonders hervorzuheben ist seine Erfindung des ersten praxistauglichen Drahtseils, das er 1834 entwickelte und in der Grube Caroline erfolgreich erprobte. Diese Erfindung revolutionierte den Bergbau weltweit, da das industrielle Drahtseil eine deutlich sicherere und langlebigere Alternative zu den bis dahin genutzten Ketten und Hanfseilen bot.

Ab 1836 leitete Julius Albert das Berg-, Hütten- und Forstwesen im westlichen Oberharz. Sein Einfluss reichte jedoch weit über den technischen Bereich hinaus. Er förderte aktiv die Clausthaler Berg- und Forstschule und setzte sich für die Modernisierung der sozialen Absicherung der Bergleute ein, indem er das Knappschaftswesen auf dem Harz unterstützte. Obwohl ihm aufgrund seines bürgerlichen Standes der Titel „Berghauptmann“ verwehrt blieb, wurde er für seine Verdienste weithin anerkannt und mit dem Titel „Oberbergrat mit Obersten-Rang“ ausgezeichnet. Julius Albert gilt als wegweisende Schlüsselfigur des industriellen Fortschritts im Bergbau, dessen Errungenschaften bis in die heutige Zeit spürbar nachwirken.

Wilhelm August Julius Albert (1787–1846)
Wilhelm August Julius Albert (1787–1846)
Albert Unterschrift
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)
Goethe Unterschrift

Nur wenige Namen sind so eng mit dem kulturellen Erbe des Harzes verbunden wie Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832). Als einer der bekanntesten Dichter, Universalgelehrter und Denker Deutschlands hinterließ Goethe mit seinen Besuchen in der Region einen bleibenden Eindruck – sowohl in der Landschaft als auch in seinem literarischen Schaffen.

Goethe bereiste den Harz dreimal – nicht als Tourist, sondern als Forscher mit strategischer Mission. Seine erste Reise führte ihn im Dezember 1777 in die Region. Unter dem Pseudonym “Johann Wilhelm Weber” gab er sich als Maler aus Darmstadt aus. In Wahrheit war er von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar beauftragt worden, den Kupferbergbau in Ilmenau wiederzubeleben. Da ihm jedoch das technische Wissen fehlte, begab er sich in den Oberharz, um sich über fortschrittliche Abbau- und Verhüttungsmethoden zu informieren. Seine Befahrungen der Gruben Dorothea und Caroline sowie seine Besuche der damals noch eigenständigen Bergstädte Clausthal und Zellerfeld können daher als frühe Form der Industriespionage angesehen werden.

Goethe kehrte 1783 erneut in den Harz zurück und unternahm 1784 abermals eine Reise in das Mittelgebirge, diesmal in Begleitung seines engen Freundes und Dienstherrn, Herzog Carl August von Sachsen-Weimar. Am 13. August 1784 ist er „zur Caroline eingefahren und zur Dorothea außgefahren“ – ein Erlebnis, das seine Faszination für Bergbautechniken, Mineralien und die einzigartige Harzlandschaft weiter vertiefte. Seine handschriftlichen Einträge im Gästebuch der Grube Dorothea, die bis heute als bedeutende Zeitdokumente überliefert sind, zeugen von seinen Visiten und seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Welt unter Tage.

Eines seiner ikonischsten literarischen Werke, Goethes Faust, trägt deutliche Spuren von seinen Harzerfahrungen. Die wilde Berglandschaft, geheimnisvolle Felsformationen und die eindringliche Atmosphäre des Brockens flossen in das Werk ein, verschmolzen Mythen mit Wissenschaft und verliehen dem Harz einen festen Platz in der Weltliteratur.

Goethes Vermächtnis im Harz ist bis heute spürbar. Gedenktafeln, nach ihm benannte Wanderwege und überlieferte Dokumente würdigen seine Besuche, während die Region weiterhin jene anzieht, die – wie einst Goethe – in der Verbindung von Natur, Wissensdurst und Inspiration das Besondere suchen.

James Watt Jr. (1769–1848), Sohn des berühmten schottischen Dampfmaschinen-Erfinders James Watt, zählte zu den bedeutenden Besuchern des Oberharzes im späten 18. Jahrhundert. Am 23. Juli 1786 besichtigte der Ingenieur und Unternehmer die Gruben Caroline und Dorothea. Sein Besuch ist im Gästebuch der Grube Dorothea dokumentiert, wo er schrieb: “The 23. July I went down the Carolina and came up the Dorothea. James Watt from Birmingham England.”

Dieser kurze Eintrag unterstreicht nicht nur das persönliche Interesse von Watt Jr. an der Bergbautechnik, sondern auch die internationale Strahlkraft des Bergbaustandorts Clausthal zur damaligen Zeit.

Im Jahr 1787 begann Watt Jr. sein Studium an der Bergakademie Freiberg, das vermutlich bis 1789 andauerte. Obwohl es nur wenige gesicherte Informationen über seine Studienzeit gibt, gilt es als wahrscheinlich, dass er Vorlesungen bei Abraham Gottlob Werner (Mineralogie, Geologie und Bergbaukunde), Christoph E. Gellert (Chemie und Hüttenwesen) sowie Johann F. Lempe (Physik und Maschinenkunde) besuchte.

James Watt Jr. (1769–1848)
James Watt Jr. (1769–1848)
Watt Jr. Unterschrift
Heinrich Heine (1797 - 1856)
Heinrich Heine (1797 - 1856)
Heine Unterschrift

Der bedeutende Dichter, Schriftsteller und Journalist Heinrich Heine (1797 - 1856) unternahm im Herbst 1824 eine Wanderung durch den Harz. Vom 14. bis 21. September begab er sich als Göttinger Jura-Student auf eine einwöchige Fußreise, die ihn von Göttingen über Goslar in die Bergbaustädte Clausthal und Zellerfeld, hinauf auf das Brockenplateau und weiter über das mitteldeutsche Tiefland führte. Am 16. September stieg er die schmalen Leitern der Schächte Caroline und Dorothea hinab – ein waghalsiges Unterfangen, das ihn gleichermaßen mit Ehrfurcht wie mit Entsetzen erfüllte. Die dunklen Tiefen, das Schlagen des Eisens gegen das Gestein und das matte Flackern der Grubenlampen offenbarten ihm eine Welt, deren Härte seine städtisch geprägte Vorstellungskraft erschütterte. Am nächsten Morgen, bei Tagesanbruch, trug er sich in das Gästebuch der Dorothea-Grube ein: „H. Heine aus Düsseldorf, stud. juris in Göttingen“.

Diese Erlebnisse wurden zum Herzstück seines Reiseberichts Die Harzreise (1826), der heute als Meilenstein der modernen Reiseliteratur gilt. Heine verwebt darin lyrische Naturschilderungen mit scharfsinniger Gesellschaftskritik. Berühmt ist seine Beschreibung der Grube Caroline als „die schmutzigste Caroline, die ich je gesehen habe”. Seine Reise war weit mehr als eine bloße Besichtigungstour – sie war eine Suche nach Identität und Inspiration, die sich in der rauen Landschaft und der Widerstandskraft der Bergbaugemeinden widerspiegelte, denen er begegnete.

Alfred Nobel (1833–1896), bekannt als Erfinder des Dynamits und Stifter des Nobelpreises, zählt ebenfalls zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die den Harz besuchten. Der schwedische Chemiker und Industrielle spielte eine wegweisende Rolle bei der Förderung von Wissenschaft, Technologie und humanitären Idealen.

Weniger bekannt ist jedoch Nobels direkte Verbindung zum Oberharz. Bereits Anfang der 1860er Jahre führte er in der Region Sprengstoffexperimente mit dem hochexplosiven Nitroglycerin durch, wobei die schwierigen Bergbaubedingungen und tiefen Schächte ein ideales Umfeld für die Erprobung und Verfeinerung seiner Innovationen boten. Sein Ziel war es, den Bau von Infrastrukturprojekten wie Straßen, Eisenbahntunneln und Bergwerken zu erleichtern und zu beschleunigen – essenziell in einer Zeit, in der die Industrialisierung in Europa rasant voranschritt.

Doch seine Experimente waren alles andere als ungefährlich: Bei einem Unfall im Jahr 1864 kam sein jüngster Bruder Emil Oskar Nobel ums Leben – ein tragisches Ereignis, das Alfred Nobel zutiefst prägte und ihn weiter anspornte, einen sichereren Sprengstoff zu entwickeln.

Clausthal-Zellerfeld, ein florierendes Zentrum für Bergbaukompetenz, spielte bei seinen Entwicklungen eine Schlüsselrolle. Nobel nutzte aktiv das Wissen und die praktische Erfahrung der lokalen Bergleute, insbesondere derjenigen aus Clausthal, die als die erfahrensten in Europa galten. Schon seit 1632 wurde hier das Sprengverfahren im Bergbau eingesetzt, wodurch sich über Jahrhunderte hinweg ein herausragendes Wissen unter den Harzer Bergleuten entwickelte. Ihre Techniken und Erkenntnisse trugen entscheidend dazu bei, Nobels Verständnis der kontrollierten Sprengung in komplexen Umgebungen zu vertiefen.

Sein Besuch in der Grube Dorothea, einem der renommiertesten Bergwerke Clausthals, war somit weit mehr als eine bloße Exkursion. Es war ein intensiver Austausch zwischen Pionieren der Technik und einer Bergbautradition, die über Generationen hinweg durch praktisches Erfahrungswissen gewachsen war.

Nur wenige Jahre später, im Jahr 1867, wurde Dynamit offiziell patentiert – ein weitaus sicherer, handhabbarer Sprengstoff, der Nitroglycerin in seiner reinen, hochgefährlichen Form ersetzte. Diese Erfindung revolutionierte nicht nur den Bergbau, sondern auch das Bauwesen und die Infrastrukturentwicklung auf der ganzen Welt.

Die Ironie der Geschichte: Obwohl Dynamit später auch militärisch eingesetzt wurde, verstand sich Nobel selbst als überzeugter Pazifist. Die Stiftung des Nobelpreises, wie er sie testamentarisch verfügte, gilt bis heute als sein Vermächtnis, mit dem er wissenschaftliche und friedensstiftende Leistungen ehren wollte – oft interpretiert als Versuch der Wiedergutmachung für die kriegerische Nutzung seiner Erfindung.

Alfred Nobel (1833–1896)
Alfred Nobel (1833–1896)
Nobel Unterschrift
Fremdenbucheintrag von Goethe

Eine der bemerkenswertesten frühen Einträge stammt von Dorothea Schlözer, die im Sommer 1786 mit nur 16 Jahren zu einer geologisch-bergbaukundlichen Studienreise in den Harz aufbrach. Als Tochter eines prominenten Göttinger Professors wurde sie im Alter von 17 Jahren als erste Frau an der Universität Göttingen mit einem Doktorat in Philosophie ausgezeichnet. Ihr Besuch ist auch deshalb bemerkenswert, weil Frauen untertage vielerorts unerwünscht waren – man fürchtete, ihre Anwesenheit bringe Unglück. Die Harzer Bergleute aber zeigten sich in dieser Hinsicht offener, was den besonderen Charakter der Region unterstreicht.

Ein lebendiges Erbe in der Landschaft

Noch heute sind auf dem Gelände der ehemaligen Gruben Dorothea und Caroline Überreste der Schächte, Stollen und der Wasserwirtschaft sichtbar – als eindrucksvolle Zeugnisse eines einzigartigen kulturellen Erbes. Zusammen mit den erhaltenen Fremdenbüchern bilden sie ein faszinierendes Bindeglied zwischen Technikgeschichte und dem kulturellen Austausch, der den Oberharz über Jahrhunderte geprägt hat.

Luftbild mit Lageplan der Skulpturen

Standort

Weitere Informationen

Die Künstlerin - Sina Heffner

Sina Heffner ist für ihre vielfältigen Arbeiten im öffentlichen Raum und ihre Kunstprojekte an Gebäuden bekannt. In ihren Installationen beschäftigt sie sich häufig mit den Beziehungen zwischen Tieren, Menschen und ihren Lebensräumen.

Mehr über Sina Heffner

Oberharzer Bergwerksmuseum

Das älteste Bergbaumuseum Deutschlands vermittelt Wissen über die historische Entwicklung des Erzbergbaus in Clausthal-Zellerfeld. Es bietet verschiedene Führungen an, unter anderem in die Dorotheer Rösche und den Caroliner Wetterschacht.

Mehr über das Museum erfahren

Oberharzer Wasserwirtschaft

Teiche, Gräben und Wasserläufe durchziehen die malerische Landschaft des Oberharzes und prägen das Bild der historischen Bergbauregion. Sie sind die sichtbaren Bestandteile der Oberharzer Wasserwirtschaft, die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert hinein entstanden ist.

Über das UNESCO-Weltkulturerbe